Grußwort

von Annelie Buntenbach als Schirmherrin von MENTOR-Bielefeld e. V.

ghchdgcfBildung ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe – der Zugang von Kindern zu Bildung ist entscheidend für ihre Zukunftschancen. In Deutschland entscheidet wie in kaum einem anderen Land die soziale Stellung der Eltern über die Chancen der Kinder. Es ist beschämend, wenn in einem so reichen Land wie Deutschland Armut und Ausgrenzung vererbbar sind.
Hier steht die Politik auf allen Ebenen in der Pflicht, für größere Chancengleichheit zu sorgen. Insbesondere ist Bildung Aufgabe der Bundesländer. Sie stehen hier voll in der Verantwortung, von der sie auch nicht entbunden werden dürfen. Aber wir können und dürfen uns nicht allein auf staatliche Maßnahmen stützen – für deren Verbesserung wir uns mit Nachdruck engagieren –, wenn wir die Zukunftschancen der Kinder verbessern wollen.
Auch die Bereitschaft jedes Einzelnen, Verantwortung für sich und für die Gemeinschaft zu übernehmen ist wichtig. Jedes Kind, dessen Zukunftschancen so verbessert werden können, ist es wert. Bei MENTOR-Bielefeld e. V. übernehmen einzelne Bielefelder Bürger und Bürgerinnen meiner Heimatstadt Verantwortung für junge Menschen und lassen diese nicht mit ihren (Schul-)Problemen allein.

Jede/r von ihnen vermittelt einem Kind (oder auch manchmal mehreren) die Fähigkeit und die Lust zum Lesen und damit den Zugang zu unserer gemeinsamen Sprache. Sie tun das mit bewunderungswürdigem Einsatz, um der nächsten Generation den Weg zu ebnen. Jedes Kind sollte eine Schullaufbahn einschlagen können, die seiner tatsächlichen Begabung entspricht und unabhängig von seiner Herkunft ist.
Ohne die wichtige Grundqualifikation der Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz wird ein Kind im schulischen oder außerschulischen Bereich kaum seinen, ihm angemessenen Weg gehen können. Dabei braucht es jede Unterstützung, die es bekommen kann. Kinder zu fördern, ist eine lohnenswertes, vielleicht sogar das lohnenswerteste Ziel überhaupt. Sie sind unsere Zukunft.
MENTOR-Bielefeld e. V. ist eine vorbildliche Initiative für die Zukunft unsere Kinder, ein soziales Netzwerk und ein Generationenprojekt. Die Sprache ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Lebenswelt. Die Förderung der Sprach- und Lesekompetenz sollte nicht erst dann beginnen, wenn die Kinder schon mit großen Schwierigkeiten konfrontiert sind.

Ich gehöre zu der ersten Generation meiner Familie, die die Chance hatte zu studieren und weiß, wie wertvoll eine gute Schulbildung ist. Lesen bereichert mein eigenes Leben immer wieder neu. Bücher befördern Ideen und sind unverzichtbar für die Entwicklung unserer Gesellschaft und deren Werte.
Individuelle Leseförderung ist als probates Mittel anerkannt, den schulischen und den sozialen Werdegang von Kindern und Jugendlichen positiv zu beeinflussen. Soziale Verantwortung fördern heißt auch sozial verantwortlich zu handeln. Ich will mit einem Zitat von Helen Hayes schließen:
“Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.”

Annelie Buntenbach
Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes
beim Deutschen Gewerkschaftsbund